Verfasst von: SwashBuckler | 7. Juni 2018

Bericht zum Palby Fyn Cup

Die dänische Südsee ist ja von Greifswald aus nicht unbedingt „gleich um die Ecke“, und deshalb haben wir auch lange überlegt, ob wir beim Palby Fyn Cup – ein Rennen von Bogense aus rund um die Insel Fyn (ca. 140 Meilen) – antreten sollen.

Die dänische Klassenvereinigung hatte diese traditionell sehr gut besuchte Regatta im Winter als Dänische Meisterschaft der X-99 ausgeschrieben, und nachdem im Frühjahr abzusehen war, dass trotz der in den letzten Jahren leider schrumpfenden Felder eine ordentliche Flotte von X-99 zusammenkommt, haben wir dann doch gemeldet. Das Einheitsklasse-Segeln ist ja schon immer noch am Spannendsten 🙂

Am Ende sind es insgesamt über 300 Schiffe auf der Meldeliste geworden, davon im „Løb 19“ sogar 24 X-99. Ein so großes Einheitsfeld hatte die Klasse zuletzt 2013 beim X-Yachts Gold Cup vor Kopenhagen auf die Bahn bringen können, dort kamen 30 Boote zusammen.

Nach einer von wenig Wind, aber viel Sonne begleiteten Überführung von Greifswald nach Bogense am Pfingstwochenende (danke Sven & Christian!) geht es am Freitag, 25. Mai endlich los. Unser Start ist auf 12:15 Uhr angesetzt. Wirklich toll, mal wieder so viele X-99 an einer Startlinie zu sehen! Im Vorstartgedrängel versucht DEN-520 Rosa Lux in Lee von uns, die Tür am Startschiff zuzumachen, aber wir (mit Heiko an der Pinne, Micha, Stefan, Maik, Ralf und Basti) finden noch genügend Raum und gehen zwar ein paar Sekunden nach dem Schuss, aber als luvwärtigstes Boot über die Linie. Hier der Start der X-99 auf youtube.

Start

Start

 

 

 

 

 

 

Der Wind weht mit ca. 12 Knoten aus Nordost, es gibt also zunächst eine Kreuz bis zur ersten Bahnmarke, einer Untiefentonne nördlich der Halbinsel Æbelø. Schon auf dieser ersten kurzen Strecke liegen wir nahezu gleichauf mit DEN-517 Mille von Kim Rasmussen und seiner Crew, sie erreichen die Tonne nur wenige Meter vor uns. Danach bleibt es eine Amwind-Strecke bis zur Nordostspitze von Fyn bei Fyns Hoved. Auf diesem Schlag setzen wir uns gemeinsam mit Mille leicht vom Rest des Feldes ab.

Startkreuz

Zweikampf an der Spitze

 

 

 

 

 

 

 

Gegen 16:00 Uhr haben wir Fyns Hoved gerundet und der Spinnaker geht hoch, aber es ist ein sehr spitzer Kurs und der Wind hat etwas aufgefrischt. Wir können den Spi gerade noch so tragen und Swash Buckler beschleunigt auf über acht Knoten. Das währt allerdings nur kurz, bald sehen wir, wie Mille und die Boote aus den Starts vor uns die Spinnaker bergen und die Vorsegel hochziehen. Entgegen aller Vorhersagen kommt der neue Wind aus Süd, so dass wir entlang der Ostküste von Fyn wieder zu kreuzen beginnen. Da der Strom hier nach Norden setzt, bewegt sich das ganze Feld mit ganz kurzen Schlägen so dicht wie möglich unter der Küste entlang. Hinter Romsø lässt der Wind immer weiter nach, und bald kommen wir fast zum Stillstand, nach wie vor dicht an dicht mit Mille.

Flaute im großen Belt

Nachdem wir mit dem Strom schon fast wieder rückwärts treiben, setzt wieder leichter Nordost ein und wir können mit Spinnaker in Richtung der Beltbrücke segeln, die wir bei Sprogø queren müssen. In der Abenddämmerung und im Sonnenuntergang entwickelt sich jetzt ein richtig tolles Licht.

 

 

 

 

 

 

Wir erreichen die Beltbrücke kurz nach 22:00 Uhr, immer noch dicht hinter Mille. Von hinten hat sich jetzt DEN-467 Maxx genähert, sie passieren die Brücke nur wenige Meter hinter uns. Als wir südlich der Brücke sind, wird es schnell dunkel. Das große Feld mit seinen vielen Positionsleuchten erzeugt eine tolle Stimmung, noch dazu können wir uns jetzt langsam an Mille vorbeischieben und gegen 23:30 Uhr die Führung übernehmen.

Passage der Beltbrücke

in Führung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es geht weiter nach Süden Richtung Svendborgsund. Wir hoffen, dass wir bei dem leichten Wind dort keinen Gegenstrom bekommen. Als wir gegen 03:00 Uhr Thurø Rev passiert haben und in den Sund einlaufen, scheint der Strom gerade zu kentern, jedenfalls haben wir zum Glück fast keinen Strom. Wir kommen gut mit Spinnaker durch den engen Sund und passieren gegen 03:45 Uhr die Svendborgsund-Brücke, wobei wir uns, verfolgt von Mille, etwas vom Rest des Feldes abgesetzt haben.

im Svendborgsund

Sundbrücke passiert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt geht auch die Sonne wieder auf und vertreibt etwas die Müdigkeit. Als wir gegen 07:00 Uhr Lyø erreicht haben und in den Kleinen Belt einbiegen, haben wir auch zu Mille einen größeren Abstand aufgebaut. Nur schläft jetzt auf einmal der Wind ein, wir stoßen auf ein Feld größerer Yachten, die richtiggehend stehengeblieben sind. Nach einem kurzen Moment können wir diese Gruppe aber umfahren und weiter Richtung Helnæs laufen. Der Weg den Kleinen Belt hinauf ist aber immer wieder mit hinterhältigen Windlöchern vermint. Kurz vor Assens erwischen wir leider auch eines davon und kommen für eine Weile absolut nicht mehr voran. Der Blick nach hinten – Mille kommt wieder näher, unser schöner Vorsprung schwindet zusehends. Gegen 11:00 Uhr, querab Bågø ist Mille wieder direkt an unserem Heck. Der Wind nimmt jetzt immer mehr auf bis zu 15-19 Knoten zu und kommt wieder aus Ost. Gerade in diesem kritischen Moment halten die (neuen!) Fallenstopper nicht mehr richtig, und sowohl das Genuafall als auch das Großfall rutschen deutlich durch. Wir können das Großfall behelfsmäßig in den Stopper der Reffleine einziehen und das Genuafall halbwegs in der Schotklemme fixieren, aber vernünftig durchsetzen können wir die Genua so nicht. Mille hat jetzt einen Speedvorteil und versucht vorbeizukommen. Ein paar Versuche, uns in Luv zu passieren, können wir noch abwehren. Aber dann taucht – wie herbeigerufen – gegen 11:30 Uhr eine IMX-40 von Lee auf und setzt sich knapp in Lee vor uns, so dass wir nicht tiefer fahren können. Das ist die Chance für Mille – er fällt deutlich ab, beschleunigt und fährt langsam unten durch. Wir können nur zusehen – das tut weh.

Mille ist wieder da

Mille überholt

 

 

 

 

 

 

 

das Überholmanöver

In dem Moment geht ein wenig die Stimmung in den Keller – nach zwölf Stunden Führung und nicht mehr weit vom Ziel so eingeholt zu werden, ist schon etwas bitter. Aber weiter geht’s. Im kleinen Belt bei Middelfart steht wieder eine Kreuz an, noch dazu mit Strom von vorn. Weil die Genua immer mehr durchsackt, wechseln wir schnell auf die Fock, die sich wenigstens halbwegs durchsetzen lässt und halten uns wegen dem Gegenstrom ganz eng unter Land. Als wir gegen 14:00 Uhr bei Strib den Ausgang der Enge erreichen, lässt der Wind wieder nach und wir wechseln zurück auf die Genua. Von hier bis zum Ziel sind es jetzt noch rund zehn Meilen Kreuz. Auf dieser Strecke nehmen wir Mille noch einmal ca. drei Minuten ab, aber es reicht nicht mehr.

Zielkreuz

Mille ist um 16:20:58 Uhr im Ziel, wir folgen 16:25:25 Uhr, nur 4 Minuten und 27 Sekunden später, mit einer Gesamtzeit von 28 Stunden, 10 Minuten, 25 Sekunden. Dritter wird DEN-467 Maxx mit einem Zieldurchgang 16:49:13 Uhr.

Die Enttäuschung über den so nahen und doch verpassten Sieg verfliegt schnell, wir freuen uns riesig über den guten zweiten Platz von 24 X-99 nach einem abwechslungsreichen und hochspannenden Rennen! In der Gesamtwertung liegen wir damit auf dem 7. Platz von 255 gestarteten Schiffen. Großer Glückwunsch an den Sieger, DEN-517 Mille mit Kim Rasmussen und Crew!! Und ein herzlicher Dank an die Veranstalter des Palby Fyn Cup, die dänische X-99 Klassenvereinigung mit ihrem Chef Morten Vinther, und an den Swash Buckler und die Crew Heiko, Stefan, Maik, Ralf, Basti und Micha. Und nicht zuletzt vielen Dank auch an die spontan zusammen gekommene Crew für die Rücküberführung Basti, Rhett, Bernd, Frank und Hans.

Das Rennen kann hier bei TracTrac nachverfolgt werden. Ein Video des Veranstalters gibt’s hier, unser eigenes Video hier, und ein paar mehr Fotos hier.


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